Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts Aachen erstreckt sich auf das Gebiet der Stadt Aachen, der Städteregion Aachen sowie der Kreise Düren, Heinsberg und Euskirchen; im Gerichtsbezirk sind ca. 1,25 Millionen Bürgerinnen und Bürger ansässig. Verhandelt werden beim Verwaltungsgericht in der Regel Streitigkeiten zwischen Bürgern und Behörden (z. B. aus den Sachgebieten Beamtenrecht, Jugendhilferecht, Schwerbehindertenrecht, Baurecht, Gewerberecht, Kommunalverfassungsrecht, Pass- und Ausweisrecht, Hochschulrecht, Polizei- und Ordnungsrecht, Immissionsschutzrecht, kommunales Abgabenrecht, Staatsangehörigkeitsrecht, Gesundheitsrecht, Wohnrecht, Schulrecht, Berg- und Energierecht, Ausländer- und Asylrecht). Die Zuständigkeiten sind auf zehn Kammern verteilt. Entscheidungen ergehen durch den Einzelrichter oder die Kammer. Diese ist in mündlichen Verhandlungen mit drei Berufsrichterinnen/-richtern und zwei ehrenamtlichen Richter/innen besetzt; in bestimmten Konstellationen außerhalb mündlicher Verhandlungen entscheiden drei Berufsrichter/innen.

Der Weg vom Bezirksverwaltungsgericht zum Verwaltungsgericht

Nach dem 2. Weltkrieg hatte das "Bezirksverwaltungsgericht" am 1. April 1946 für den damaligen Regierungsbezirk Aachen seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Bis 1948 waren dem Bezirksverwaltungsgericht auch Aufgaben der inneren Verwaltung, insbesondere die Erteilung gewerberechtlicher Konzessionen, übertragen. Noch im Jahre 1948 wurde aus dem "Bezirksverwaltungsgericht" das "Landesverwaltungsgericht". Erster Präsident des damaligen Landesverwaltungsgerichts wurde im Jahre 1952 Dr. Fritz Thiel (später Honorarprofessor an der RWTH Aachen und Herausgeber der namhaften "Baurechtssammlung" - BRS). Prof. Dr. Thiel leitete das Gericht, das damals in angemieteten Räumlichkeiten des Hauses Rolandstraße 30 untergebracht war und aus zwei Kammern bestand, bis zu seinem Tode im Jahre 1965. Mit dem Inkrafttreten der Verwaltungsgerichtsordnung (am 1. April 1960) änderte sich der Name des Gerichts erneut: Aus dem "Landesverwaltungsgericht" wurde das "Verwaltungsgericht".

Nachfolger von Prof. Dr. Thiel wurde Franz Feßler vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, der das Amt des Präsidenten bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Mai 1969 ausübte. Während seiner Amtszeit wurde 1968 eine 3. Kammer eingerichtet.

Bereits im Juni 1967 war das Gericht aus der Rolandstraße in das neu erbaute Landesbehördenhaus Franzstraße 49 umgezogen. Wegen der steigenden Eingangszahlen kamen 1975 die 4. Kammer und 1977 die 5. Kammer hinzu. Nach einer vorübergehenden ergänzenden Anmietung von Räumlichkeiten im Eckhaus Theaterstraße/Aureliusstraße erfolgte die Unterbringung der 4. und 5. Kammer später in Räumlichkeiten des ehemaligen Regierungspräsidiums am Theaterplatz 14.

Nachfolger von Präsident Franz Feßler wurde Dr. Harald Kayser, der das Amt bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Frühjahr 1973 ausübte. Zu seinem Nachfolger wurde Günther Brinker vom Verwaltungsgericht Arnsberg ernannt. Er leitete das Gericht bis Februar 1991. In seiner Amtszeit erfolgte ein erneuter Umzug des Gerichts in das ehemalige Polizeipräsidium Kasernenstraße 25. Erstmals seit vielen Jahren konnten alle Gerichtsangehörigen unter einem Dach arbeiten.

Am 3. Juni 1991 wurde Dr. Herbert Limpens (2004 zum Honorarprofessor an der RWTH Aachen ernannt) Präsident des Gerichts. Er begann seine richterliche Tätigkeit beim Verwaltungsgericht Aachen und kehrte nach mehrjähriger Tätigkeit beim Oberverwaltungsgericht in Münster mit seiner Ernennung zum Präsidenten wieder an sein "Heimatgericht" zurück. Wegen geänderter Zuständigkeitsregelungen wurde auch das Verwaltungsgericht Aachen für die Bearbeitung von Asylverfahren zuständig. Es musste daher in den Jahren 1991 und 1992 von fünf auf nunmehr neun Kammern aufgestockt werden. Erneut wurde (von 1992 bis 2001) die Anmietung von Räumlichkeiten - diesmal im Hause Theaterstraße 13 - zur Unterbringung mehrerer Kammern notwendig. Erst mit dem Auszug von Teilen der Finanzverwaltung aus dem ehemaligen Polizeipräsidium Aachen im Verlaufe des Jahres 2001 konnten alle Bediensteten des Verwaltungsgerichts Aachen wieder unter einem Dach zusammengeführt werden. Im Jahr 2007 konnte gemeinsam mit allen in Aachen ansässigen Gerichten (Landgericht, Amtsgericht, Sozialgericht und Arbeitsgericht) und der Staatsanwaltschaft das neue Justizzentrum am Adalbertsteinweg bezogen werden.

Seit dem Ruhestand von Prof. Dr. Limpens zum 31. Dezember 2013 wird das Gericht von Claudia Beusch geleitet, die ihre richterliche Tätigkeit 1993 beim Verwaltungsgericht Düsseldorf aufgenommen hat. Aufgrund der steigenden Eingangszahlen, insbesondere im Bereich des Asylrechts, wurden 15 neue Richter im Zeitraum von 2015 bis 2019 eingestellt und im November 2019 eine zehnte Kammer eingerichtet.

Für das Verwaltungsgericht Aachen, bei dem jährlich zwischen 4.000 und 6.000 Verfahren eingehen, sind rund 36 Richter/innen und etwa 45 Beamte und Beschäftigte tätig. Der Großteil der Verfahren wird in weniger als einem Jahr erledigt.